Fallbeispiele

Aufstellung zu einem Familienthema: Ein Ehepaar kam und klagte, dass ihr 10-jähriger Sohn nach 3 Jahren wieder angefangen hatte ins Bett zu nässen und sie sich das überhaupt nicht erklären können.

Bei der Aufstellung stellte sich folgendes heraus: Das Ehepaar hatte kürzlich eine neue Sitzgarnitur für das Wohnzimmer gekauft, wodurch die gesamte Familie mehr Platz hatte und der 10-jährige Sohn dies nützte, um sich zwischen Vater und Mutter einen bequemen Platz zu suchen. Diesen hatte es vorher nicht gegeben. Die Ehegattin war damit eigentlich nicht einverstanden und wäre viel lieber bei ihrem Mann gelegen, wollte aber den Familienfrieden nicht stören. Diese innere Aggression übertrug sich auf den Sohn insofern, dass er wieder anfing ins Bett zu nässen.
Sofort nach der Aufstellung stellten die Eltern die alte Sitzordnung her. Natürlich war der Sohn anfangs beleidigt und versuchte, seinen neuen Platz zu behaupten, was ihm aber nicht mehr gelang. Bereits nach 14 Tagen hörte er mit dem Bettnässen auf.

Aufstellung einer Krankheit: Ein 52-jähriger Herr klagte darüber, dass er bereits seit längerer Zeit starke Bauchspeichelbeschwerden hätte und die Ärzte nicht wirklich einen Grund dafür fänden. Er teilte uns auch mit, dass seine Frau vor zwei Jahren unerwartet verstorben sei und er vorher nie irgendwelche Beschwerden gehabt hätte.

Bei der Aufstellung stellt sich heraus, dass er den plötzlichen Tod seiner Gattin (sie lag am Morgen mit offenen Augen tot neben ihm im Bett) noch nicht verarbeitet hatte und in ihm eine große Sehnsucht bestand seiner Frau nachzufolgen. Als Lösung stellte sich heraus, dass es sehr sinnvoll wäre, sich in eine konstruktive Trauerarbeit zu begeben, um die Partnerin gut verabschieden zu können, was ihm auch in den nächsten Monaten gelang. Nach nunmehr einem Jahr sind die Beschwerden ohne weitere Behandlungen komplett verschwunden und er freut sich wieder am Leben.

Organisationsaufstellung: Der Geschäftsführer eines großen internationalen Konzerns schickte uns fünf Personen einer Abteilung, die seit vielen Jahren sehr konfliktbeladen war, insbesondere dadurch, weil der Abteilungsleiter sich sehr diktatorisch verhielt und einige Mitarbeiter dies nicht mehr mitmachen wollten.

Bei der Aufstellung, die offen geführt wurde aber von Statisten besetzt war, die keinerlei Ahnung von der Firma hatten, stellte sich folgendes heraus: Der Abteilungsleiter fürchtete um seine Stelle, weil er Angst hatte, dass die anderen merken, wie ihn diese Aufgabe eigentlich überforderte. Er glaubte diese Tatsache mit starker Machtdemonstration überdecken zu können. Als die Mitarbeiter dies sahen, verwandelte sich die Abneigung in Mitgefühl und bei einem Nachgespräch stellte sich heraus, dass der Abteilungsleiter die Hilfe der Mitarbeiter nun gut annehmen konnte. Auch die Mitarbeiter erzählten, dass sie ihn schon früher wesentlich mehr unterstützt hätten, wenn sie die wahre Situation gekannt hätten.

Aufstellung einer Krankheit: Ein 48-jähriger Mann klagte über massive Kreuzbeschwerden, die dazu geführt hatten, dass er knapp vor einer Operation stand und bereits Lähmungserscheinungen im linken Fuß verspürte. Er führte dies auf seine Sorgen, keine Arbeit mehr zu finden, zurück.

Bei der Aufstellung stellte sich heraus, dass er vor zwei Jahren unfreiwillig eine sehr verantwortungsvolle Führungsposition in einem Verein übernommen hatte, da es damals keinen Ersatz für einen plötzlich verstorbenen Kollegen gab und er, obwohl er innerlich „nein“ sagte, dieses Ehrenamt übernahm. Dies verursachte in ihm große Konflikte und war der Grund für die dauernde Anspannung, die sich natürlich auf die Wirbelsäule auswirkte. Das Bewusstsein, dass 14 Tage später eine Neuwahl ins Haus stand und er keinerlei Ahnung hatte, wie er seinen Kollegen erklären sollte, dass er diese Funktion nicht mehr weitermachen wolle, verstärkte den Druck auf ihn zusätzlich. Nach der Aufstellung entschied er sich zur Rücklegung der Funktion und erzählte mir später, dass bereits bei der Nachhausefahrt der Vollversammlung die Lähmungserscheinungen im linken Fuß verschwanden und auch die Operation nicht mehr notwendig war. Die Beschwerdefreiheit hält bis heute an.

Aufstellung zum Thema Übergewicht: Eine Frau mit 45 Jahren kam mit langjährigem Übergewicht zu uns und erzählte uns, dass sie es trotz zahlreicher Versuche nicht schaffte abzunehmen. Jeden Abend würde sie nach wahren Fressattacken völlig vollgestopft ins Bett gehen.

Bei der Befragung ihrer Familiensituation schien alles normal und lediglich von der Seite des Großvaters hat es einmal einen Selbstmord gegeben. Der Aufstellungsleiter richtete seine Aufmerksamkeit vorerst auf dieses Thema. Bei der Aufstellung stellte sich aber heraus, dass dies nicht relevant war, aber trotzdem irgendetwas fehlen würde. Erst in diesem Moment berichtete sie weinend, dass sie mit 17 Jahren auf Drängen ihres damaligen Freundes eine Abtreibung vorgenommen hatte, aber der Meinung war, dass dies lange schon aufgearbeitet wäre. Nachdem wir dieses Kind dazu nahmen (sie hatte in der Zwischenzeit drei weitere), wurde eine große Erleichterung spürbar und sie merkte, dass sie das Thema zwar kopfmäßig schon lange erledigt hatte, aber im Herzen das Kind noch voll präsent war. Sie hatte bislang die Sehnsucht nach diesem Kind mit Fressattacken auszugleichen versucht. Bereits unmittelbar nach der Aufstellung bemerkte sie, dass es ihr wesentlich früher auffiel, wenn sie in ihre alten Gewohnheiten zurückfiel. Zwei Monate später ließen die Fressattacken deutlich nach und mittlerweile hat sie, ohne fremdes Zutun, mehr als 15 kg abgenommen.

Verdeckte Organisationsaufstellung: Ein Unternehmer kam zu uns und klagte, dass er unter großem Stress leide, dies hauptsächlich dadurch, da er im Moment 7 Projekte verfolgen würde und nicht wirklich wisse, wohin er seinen Schwerpunkt legen solle.

Damit er bei der Aufstellung seine Entscheidung nicht unbewusst beeinflussen konnte, wählten wir eine verdeckte Aufstellung, d.h. wir ordneten jedem Projekt eine Zahl zu und keiner, außer dem Aufstellungsleiter, wusste, welche Person für welches Projekt stand.
Bei der Aufstellung selber stellte sich heraus, dass drei Projekte sehr gut in Harmonie zueinander standen, zwei Projekte sich absolut nicht wohlfühlten und bei den restlichen Projekten die Aussagen „Wir warten noch! Wir haben noch Zeit!“ zu hören waren. Als wir uns mit den drei Projekten, die in guter Harmonie zueinander standen, weiter beschäftigten, entwickelten diese eine ausgezeichnete Lösung für die Zukunft, zumindest teilte der Unternehmer uns mit, dass er sehr zufrieden wäre. Bei einem Nachgespräch nach vier Wochen bestätigte sich diese Aussage. (Da wir bei Organisationsaufstellungen die Prozesse schriftlich dokumentieren, können wir die Nachhaltigkeit, der in der Aufstellung sichtbaren Lösungen, bei Nachgesprächen sehr gut reflektieren).

Organisationsaufstellung: Die Gattin eines Firmenchefs kam zu mir, da sie merkte, dass ihr Gatte mit seinem Bruder schon seit langer Zeit schlecht zusammenarbeiten würde. Bei einem persönlichen Gespräch mit beiden, bestätigte der Ehemann dies und erzählte außerdem, dass der Bruder, der im KFZ-Betrieb für die Werkstätte zuständig sei, auch ein großes Alkoholproblem hätte.

Bei der Aufstellung stellte sich heraus, dass eigentlich der Bruder den Betrieb übernehmen hätte sollen, aber auf Grund seiner Unzuverlässigkeit der Betrieb dem jüngeren Bruder übergeben wurde. Unbewusst hatte der ältere deshalb immer versucht, den jüngeren Bruder von seinem Platz zu verdrängen. Auf Grund der Aufstellung veränderte sich die Sichtweise des Geschäftsführers und seiner Gattin wesentlich und sie schafften es, mit einer anderen inneren Haltung auf den Bruder/Schwager zuzugehen, was langfristig zu einer deutlichen Entspannung der Situation führte und wesentlich dazu beitrug, dass sich die gesamte Mannschaft wieder wohler fühlte.

Familienaufstellung: Eine 34-jährige Frau mit vielen Allergien, die besonders im Frühjahr als sehr belastend erlebt wurden, erzählte uns, dass sie viele Geschwister hätte, aber dauernd das Gefühl hätte, nicht dazuzugehören.

Sie war das vierte Kind und erste Mädchen und somit der Liebling des Vaters. Da die Beziehung der Eltern schon lange nicht mehr funktionierte, gab der Vater die ganze Liebe seiner Tochter, was zu einem unbewussten Konkurrenzkampf mit der Mutter führte. Erst jetzt fiel es ihr, wie Schuppen von den Augen, dass die Allergien ein Ausdruck ihrer Wut auf die Mutter waren, die auch sie als Konkurrentin erlebte. Schön war zu erleben, als die Klientin mir bei einem kürzlich geführten Gespräch mitteilte, dass sie zwar noch längere Zeit gebraucht habe, das Gefühl der Achtung ihren Eltern (besonders der Mutter) gegenüber zu verinnerlichen, aber sie insgesamt die Entwicklung als sehr heilsam erleben würde.

Fazit:
Viele weitere Beispiele könnten wir bringen, jeder Fall ist für sich einzigartig und das macht die Arbeit sehr interessant. Häufig stellen wir fest, dass bei einer Aufstellung – egal ob privater oder firmenmäßiger Natur - langjährige Probleme und Konflikte sichtbar und somit aufgelöst werden.
 
 
 
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