Häufige Fragen zur Systemischen Familienaufstellung

Wozu ist eine Familienaufstellung gut?
Hier finden wir mehrere Antworten. Unser ganzes Tun, Denken und Reden ist Dynamik. Jede Beziehung zu einem anderen Menschen oder zu einer anderen Sache nennen wir ebenfalls Dynamik. Die Grundmuster unserer gesamten Dynamiken werden in unserer Kindheit und Jugend in der Familie gelegt. Das heißt, viele Dynamiken in unserem späteren Leben finden ihren Ursprung in der eigenen Familie. Wir haben es dort so gelernt. Daher passiert es häufig, dass wir uns unserer Frau gegenüber so verhalten, wie unserer Mutter gegenüber und unserem Chef wie unserem Vater gegenüber. Will ich nun vorhandene Probleme mit meiner Frau lösen, hilft es oft zur Mutter zu sehen, will ich vorhandene Probleme mit meinem Chef lösen, hilft es zum Vater zu sehen. Die Lösungen finden wir auch hier oft im „alten“ Familiensystem.
Allgemein lässt sich sagen, dass nichts aus sich selbst heraus entsteht. Alles ist nur existent in Dynamik. Kein Streit, keine belastende Beziehung und kein Leid entstehen nur aus sich selbst heraus. Alles ist miteinander in Resonanz. Diese Resonanz nennen wir Dynamik. Das Eine gibt das Andere, das Andere das Eine. Familienaufstellungen sind am besten dazu geeignet diese Resonanz und Dynamik sichtbar zu machen, was immer sich daraus dann auch entwickelt.

Was passiert bei einer Aufstellung?
Bei einer Aufstellung machen wir mit einer Art Rollenspiel, jegliche Art von Beziehung sichtbar. So kann jeder dann für sich selbst entscheiden, ob und wie er seine Beziehung ändern möchte. So finden wir Lösungen.

Was ändert sich nach einer Aufstellung?
Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil man die Ergebnisse einer Aufstellung nicht verallgemeinern kann. Jede Aufstellung ist anders und jedes Ergebnis und jede Lösung ist anders. Das Einzige was man mit Sicherheit bei jedem sagen kann, ist, dass sich die Sichtweise der Betrachtung des Problems ändert.

Was bringt es mir, wenn ich weiß, woher die Probleme kommen?
Leider ist unser Denken so ausgerichtet, das wir etwas erst mit dem Verstand begreifen wollen, bevor wir damit in die eine oder andere Richtung weiter verfahren. Bei der Aufstellung können wir sehen, was die Seele im Grunde längst schon weiß. Wenn jemand im Laufe der Zeit dann das nötige Urvertrauen bekommt und spirituell reift, braucht er das „Warum?“ nicht mehr.

Ist es nicht besser, wenn ich es nicht weiß?
Wie gesagt kommt es auf das Vertrauen und die spirituelle Reife der einzelnen Person an. Hat man eine innere Haltung der Ablehnung oder des Festhaltens, dann möchte man alles genau wissen und untersuchen, sonst glaubt man es nicht. Und wenn man es nicht glaubt, ist es für einen nicht existent.

Welche Muster können bei einer Aufstellung sichtbar gemacht werden?
Muster nennen wir alle gewohnheitsmäßigen Dynamiken, die irgendwann in der Vergangenheit ihren Ursprung gefunden haben. Da wir in der Lage sind, sämtliche relevanten Dynamiken zu zeigen, können wir natürlich auch alle Muster sichtbar machen. Ob wir sie dann auch mit unserer Wahrnehmung erkennen ist eine andere Frage. Jedenfalls versuchen wir in einer Aufstellung die Muster sichtbar zu machen, von denen sich der Klient lösen möchte.

Warum können durch eine Familienaufstellung belastende Muster sichtbar gemacht werden?
Wir machen das in Familienaufstellungen sichtbar, was zwischen uns wirkt. Muster sind eine Aneinanderreihung von Dynamiken, die zwischen uns wirken. Wir erschaffen in einer Aufstellung ein sogenanntes Feld, in dem diese Energien sichtbar werden.

Was haben meine Großeltern mit meinen Problemen zu tun, wo sie doch schon lange tot sind?

Nicht nur die Gene der Großeltern und Eltern werden weitergegeben, sondern auch ihre Muster und Wertigkeiten wirken in den Enkeln weiter. Darüber hinaus gibt es so etwas wie eine Familienseele. Jedes Familiensystem hat eine eigene Ordnung. Wenn die Großeltern gegen diese Ordnung verstoßen, kann es passieren, dass die Kinder oder Enkel einen Ausgleich dafür suchen.

Welche Auswirkungen haben abgetriebene Kinder auf das System?
Abgetriebene Kinder gehören ebenso zur Familie wie lebendige. Sie haben ebenfalls ihre Auswirkungen auf die Reihenfolge und Rangordnung der Kinder. Wenn das erste Kind abgetrieben und das zweite geboren wird, dann wird das zweite Kind immer auf dem zweiten Platz stehen und nicht auf dem ersten. Es hat auch nicht die besondere Kraft des ersten Kindes. Darüber hinaus belastet die Schuld einer Abtreibung das Herz der Eltern schwer. Oftmals verneinen sie dadurch auch einen Teil ihrer eigenen Lebendigkeit, da sie die Lebendigkeit des Kindes verneint haben. Hier gilt es sich seiner Tat bewusst zu werden, dazu zu stehen und sich vom Kind zu verabschieden. Erst dann wird das Herz wieder frei.

Welche Möglichkeiten der Aufstellungsarbeit gibt es?
Wir können Familiensysteme ebenso sichtbar machen wie Organisationssysteme. Aber auch Strukturen können wir sichtbar machen. Die Möglichkeiten der Aufstellungsarbeit scheinen hier grenzenlos zu sein. Es stellt sich eher die Frage, was für den Klienten sinnvoll ist. Als Aufstellungsleiter folge ich den Bedürfnissen des Klienten und werde danach handeln.

Wie funktioniert die Aufstellung mit einem Systembrett?

Das Systembrett wird gerne benutzt wenn keine lebenden Teilnehmer für ein Rollenspiel zur Verfügung stehen bzw. wenn der Betroffene in einem geschützten Rahmen ohne fremde Repräsentanten die Vorteile einer Systemischen Aufstellung nutzen möchte. Die Figuren auf dem Brett zeigen dann, wie die Beziehungen zwischen den Personen wirken, für die sie repräsentativ stehen. Es wirkt genauso. Es ist in der Regel aber etwas schwieriger auf allen Ebenen Lösungen zu finden, da die Figuren ihre Reaktion nicht selber beschreiben können. Hier ist die Intuition des Leiters gefragt.

Worauf muss der Leiter bei einer Aufstellung achten?
Jeder Leiter hat sicher eigene Prioritäten. Ich für meinen Teil achte besonders auf drei Dinge. Das Wichtigste für mich ist, in mir selbst eine gewisse Leere zu schaffen, sodass ich als Leiter möglichst wenig von meinen eigenen Dynamiken in die Aufstellung hineinbringe. So bald ich mit einer inneren Haltung der Absicht (ich lehne etwas ab oder ich halte an etwas fest) eine Aufstellung leite, verfälsche ich das ursprüngliche Bild und die Energie des Klientensystems. Jede innere Blockade des Aufstellungsleiters verhindert seine Offenheit und Urteilslosigkeit dem Geschehenen gegenüber. Der Aufstellungsleiter sollte absolut wertfrei und zustimmend arbeiten, alles andere hilft dem Klienten wenig. Das Zweite ist die Achtsamkeit und Wertschätzung gegenüber dem System des Klienten. Alles darf so sein wie es ist. Die völlige Zustimmung gegenüber dem Klienten und seinem System sind hier von großer Bedeutung. Darüber hinaus kann es nur eine nachhaltige Lösung geben, wenn es eine Lösung für alle, also für das gesamte System gibt. Es stellt sich dabei immer die Frage, „wem hilft was im System?“. Das Dritte ist der Repräsentant. Ihm wird oft eine zu geringe Aufmerksamkeit zu teil. Jeder Rollenspieler wird für die Zeit der Aufstellung Teil des Klientensystems und läuft somit Gefahr Muster des Klientensystems in sich aufzunehmen, die wiederum eigene Muster zutage bringen. So geschieht es, dass Rollenspieler durch ihre Rolle mit eigenen Schwierigkeiten und Verletzungen konfrontiert werden. Darauf sollte der Aufstellungsleiter besonders achten, damit auch jeder Rollenspeiler wieder gelöst und gut nach Hause gehen kann.

Woran erkenne ich einen guten Aufstellungsleiter?

Letztendlich wird immer der Klient entscheiden, ob ein Aufstellungsleiter für ihn gut ist oder nicht. Für mich ist ein Aufstellungsleiter hilfreich, wenn er mit einer Grundhaltung der Liebe und Zustimmung arbeitet. So schafft er einen Raum in dem alles möglich ist. Dann kann sich die Energie einer Aufstellung richtig entfalten, die Aufstellung kann sich somit aus sich selbst entwickeln. Auch während eines Aufstellungsseminars sind die Rollenspieler und der Aufsteller ein System, auf das es zu schauen gilt. Letztlich sollte jeder gut nach Hause gehen, der Klient, die Rollenspieler und der Aufstellungsleiter.
Auch die Möglichkeit einer Nachbetreuung, egal ob durch den Aufstellungsleiter oder einen Therapeuten, sollte abgeklärt werden. „Was mache ich nach einer Aufstellung, wenn noch etwas auftaucht, mit dem ich nicht alleine fertig werde?“ Diese Frage sollte mit jedem Teilnehmer abgeklärt werden.

Welche Ausbildung braucht ein erfahrener Aufstellungsleiter?
Einerseits ist eine konkrete Aufstellungsausbildung notwendig um über die Dynamiken in Systemen Bescheid zu wissen. Dies ist für jeden relativ einfach zu lernen. Was für mich jedoch viel entscheidender ist, ist eine Persönlichkeitsentwicklung durch die „Schau“ nach innen.
Durch das Lösen von eigenen Schwierigkeiten, Ängsten und Hoffnungen wird der Aufstellungsleiter frei von Absicht. Wenn ich zum Beispiel mit selbstmordgefährdeten Personen arbeite und ich während der Aufstellung Angst bekomme, der Klient könnte sich nach der Aufstellung vielleicht etwas antun, dann entsteht in mir eine Blockade und ich beginne die Aufstellung so zu führen, dass ich meine Angst verliere. Dann lenke ich die Aufstellung mit dem Ziel, die eigene Angst zu verlieren. Das hilft dem Klienten aber nicht. Erst, wenn ich die innere Größe habe, allem zuzustimmen was war, was ist und was sein wird, kann es eine heilsame Lösung für den Klienten geben. Daher halte ich es für wichtig, eine Ausbildung im Bereich der „inneren Schau“ zu machen. Meditation ist hierbei zum Beispiel sehr hilfreich.
Wir dürfen auch die Entwicklung dieser Arbeit nicht übersehen. Ursprünglich wurden Aufstellungen nur von ausgebildeten Therapeuten geleitet. Mittlerweile gibt es viele Nicht-Therapeuten, die ebenso und oft auch genauso heilsam Aufstellungen machen. Denn selbst bei einem Therapeuten ist es nicht gewährleistet, dass er eine Aufstellung mit der nötigen Offenheit durchführt. Aber in der Regel hat er eine wesentlich größere Erfahrung und weiß auch, was in Krisensituationen zu tun ist.
Meiner Meinung nach braucht es keine psychotherapeutische Ausbildung, aber auf jeden Fall eine Ausbildung über mehrere Jahre hinweg, in welcher der zukünftige Leiter die Reife erlangt, jeder Situation die auftreten kann, gewachsen zu sein.

Was hat eine Aufstellung mit Schuld und Vergebung zu tun?
Schuld steht meistens in der Relation zu unseren Wertigkeiten und zu unserer Kultur. Wenn wir etwas tun, was unserer Meinung nach unrecht ist und wir erzeugen dabei großes Leid, fühlen wir uns schuldig. Daraus entsteht oft für den Schuldigen und sein Opfer eine Dynamik, in welcher der Schuldige selbst oder auch erst seine Nachfahren versuchen, die Schuld - bewusst oder unbewusst - abzuarbeiten. Wenn wir diese Dynamik aber genauer betrachten und das Verhalten des Schuldigen sehen, stellen wir fest, dass sein Verhalten niemandem nutzt.
Ein Beispiel zum leichteren Verständnis: Ein Mann mit schweren Depressionen kam zu mir in die Aufstellung. Er hatte bereits mehrere Suizidgedanken geäußert. Im Zuge einer Aufstellung erfuhren wir, dass seine Mutter bei seiner Geburt starb. Sein Vater ließ ihn Zeit seines Lebens spüren, dass auch er ihm die Schuld am Tod seiner Mutter gab. Nun frage ich Sie, wem nutzt diese Schuld? Macht sie die Mutter wieder lebendig? Hilft sie dem Vater? Hilft sie dem Sohn? Der Sohn gesteht sich sein Leben nicht zu. Der Vater gesteht dem Sohn sein Leben nicht zu und der Mutter, seiner Frau, ihren Tod. Hier war eine Versöhnung mit dem Schicksal nötig. Erst, als wir die Mutter in die Aufstellung nahmen, löste sich der Sohn aus seiner Schuld. Er fing an sich sein Leben zuzugestehen.
Im Bereich der Vergebung gibt es einiges zu beachten. Wenn ich in einer Paarbeziehung fremdgehe, dann fühle ich mich schuldig. Das macht mich gegenüber meinem Partner klein.
Beziehungen haben aber nur eine Chance, wenn beide Partner ebenbürtig sind. Bitte ich nun meinen Partner um Vergebung, fühle ich mich zwar nicht mehr so schuldig, aber klein bleibe ich trotzdem. Erst wenn der Partner durch Ausgleich die Beziehung wieder ebenbürtig macht, hat sie eine gute Chance. Vergebung sollte durch Ausgleich geschaffen werden, wie auch immer er aussieht, das heißt jetzt aber nicht, dass der betrogene Partner auch fremd gehen soll, sondern, der Ausgleich sollte anders erfolgen und auf jeden Fall weniger schmerzhaft sein. So können sich beide Partner wieder auf einer Ebene in die Augen schauen. Jedes Ungleichgewicht in einer Beziehung führt irgendwann zur Trennung.
In jedem Fall ist bei Schuld und Vergebung Demut gefragt. Die Demut vor unserem Leben und dem, was uns führt bedeutet: Das, was war war, das, was ist ist und das, was sein wird wird sein. Wenn wir das in unserem Herzen spüren und dem zustimmen, versöhnen wir uns mit uns selbst und werden wieder im Herzen frei. Durch das Gefühl der Schuld verlieren wir jede Kraft in uns. Der erste Schritt ist immer das Bekennen zur eigenen Schuld. Der zweite ist dann erst die demütige Lösung.
Was heißt der Partner steht vor den Kindern und was bedeutet das in der Aufstellung?
Es gibt im Entstehen einer Familie folgende Phasen: Zuerst entwickelt sich eine Paarbeziehung und daraus entsteht das Wunder unseres Seins. Kinder kommen auf die Welt und wir gründen eine neue Familie. Dann sind die Partner nicht nur Mann und Frau, sondern auch Vater und Mutter. Leider passiert es bei jungen Familien häufig, dass das Vater- und Muttersein derart im Vordergrund steht, dass sie auf die Paarbeziehung vergessen. So kann es leicht zu einer Trennung kommen. Mann und Frau waren zuerst da, Vater und Mutter kamen später dazu.
Der Vater wird immer Vater zu seinen Kindern sein und die Mutter immer Mutter. Der Mann zu seiner Frau aber nicht immer Partner und umgekehrt. Paarbeziehungen können sich auflösen, Elternbeziehungen nicht. Darum gilt der Paarbeziehung eine besondere Beachtung, wenn man sie erhalten möchte.
Aber Vorsicht, bei Patchwork-Familien gilt das nicht. Wenn ein Partner Kinder in die neue Paarbeziehung mitnimmt, stehen sie immer vor dem neuen Partner. Akzeptiert das der neue Partner nicht, kann es zu erheblichen Schwierigkeiten in der neuen Paarbeziehung kommen.

Man hört, dass Menschen lieber krank bleiben, als etwas zu verändern?
Krankheiten sind ebenso Phänomene, die nicht aus sich selbst heraus entstehen. Sie sind immer in Bezug zu etwas Anderem, das die Krankheit ausmacht. Erst wenn die Bedingungen
für eine Krankheit günstig sind, entsteht sie. Darüber hinaus sind Krankheiten ein Zeichen von Ungleichgewicht in unserem Sein. Die Krankheit zeigt uns somit auch den Weg zur Heilung, aber nur wenn wir sie verstehen und sie wieder loslassen können.
Viele Menschen verlassen sich auf eine Heilung von Außen, anstatt die Bedingungen für das Entstehen und Vergehen der Krankheit, im Inneren zu suchen. Kennen wir die Bedingungen zum Lösen unserer Krankheit, stellt sich dann immer noch die Frage, sind wir auch dazu bereit, das zu tun, was uns löst? Oft steckt auch ein Gewinn hinter der Krankheit und auf den wollen wir nur ungern verzichten. Krankheit verschafft uns zum Beispiel Aufmerksamkeit. Wir leiden dann lieber, als uns zu lösen, weil wir sonst etwas lieb Gewonnenes verlieren.
Auch hier braucht es vorwiegend wieder völlige Zustimmung zu dem was ist. Unsere Ablehnung und unsere Gier lassen eine Gesundung sonst nicht zu.

Was gibt es für Prinzipien in der Aufstellungsarbeit?
Die Achtung und Wertschätzung gegenüber dem Klienten, seinem System und allen anderen Anwesenden im Seminar gegenüber sind für mich das höchste Prinzip. Sonst gilt es nur offen zu sein, für das was kommt.

Was sind systemische Ausgleichsprinzipien?
Wir haben im Zusammenhang mit der Schuldfrage auch schon über den Ausgleich gesprochen. Allgemein gesehen ist der Ausgleich wichtig zur Ebenbürtigkeit der Menschen. Im Hinblick auf die Religion könnte man sagen, „in Gottes Augen sind wir alle gleich.“ Leider trifft das auf unsere Menschenaugen nicht zu, da wir uns ständig vergleichen.
Speziell im Familiensystem kann es nun passieren, dass eine Generation durch ungerechtes Verhalten Schuld auf sich lädt oder jemanden durch Ausschluss ausgrenzt. In beiden Fällen kann es leicht passieren, dass eine Person oder sogar die ganze nächste Generation durch ihr Verhalten Ausgleich schaffen möchte. Dies kann zu Verhaltensmustern führen, die anders nicht zu erklären sind. Hier genügt es oft schon nur auf das Unrecht hinzuweisen bzw. die ausgeschlossene Person wieder in das Familiensystem hineinzunehmen.
Jedenfalls dient das Ausgleichsprinzip immer zur Harmonisierung eines Systems. Das uralte Prinzip des Gleichgewichts und der Ebenbürtigkeit wird so wieder hergestellt.

Was heißt Kinder stellen sich über ihre Eltern und verhungern dabei?
Wenn Kinder von den Eltern die Kraft des Lebens nicht nehmen, dann stellen sie sich über ihre Eltern. Dann fehlt ihnen was Entscheidendes. Sie sind dann nicht mehr im Fluss des Lebens. Dies kann passieren, wenn die Kinder die Eltern ablehnen oder wenn sie glauben die Eltern sind sehr schwach und das Nehmen würde sie noch mehr schwächen.
Die Eltern haben ihrerseits das Geschenk des Lebens von ihren Eltern bekommen und möchten es an ihre Kinder weitergeben. Die Verbindung zu den Kindern blockiert aber automatisch beidseitig, wenn die Kinder nicht nehmen. So werden die Kinder im gewissen Sinne zu schwach für das Leben.
Wenn die Tochter zum Beispiel nicht von der Mutter nimmt, stellt sie sich über sie und zeigt gleichzeitig „Ich bin für den Vater die bessere Frau“. So entsteht eine unnatürliche Beziehung zur Mutter und zum Vater. Bei Männern, die vom Vater nicht nehmen, passiert das Gleiche nur umgekehrt.
Um die Natürlichkeit von Eltern und Kindern wieder herzustellen, müssen die Kinder von den Eltern nehmen. Dazu kommt noch, wenn ein Kind einen Elternteil ablehnt, lehnt es sich zum Teil selbst ab, da die Eltern immer in den Kindern weiterwirken.

Worauf müssen Personen, die eine Aufstellung gemacht haben, achten?
Manche Aufstellungsleiter geben den Klienten einen Haufen an Verhaltensregeln mit nach Hause. Zum Beispiel, dass man über das Aufgestellte so und so lange nicht reden soll. Ich persönlich überlasse es den Teilnehmern selbst, das zu tun, was sie glauben tun zu müssen. Heilung passiert nicht durch den Aufstellungsleiter, nicht nur durch den Klienten und auch nicht nur durch Regeln.
Sie entsteht ausschließlich durch die Kraft des Ganzen und die muss man von selbst wirken lassen, egal wie man sich verhält.
Das Einzige das ich den Teilnehmern auf den Weg nach Hause mitgebe ist, dass sie liebevoll und achtsam auf sich schauen sollen und dann unter diesem Aspekt handeln. So findet danach jeder das Richtige für sich.

Was können Sie uns dazu sagen, wenn Personen nach einer Aufstellung berichten: Jetzt geht es mir erst richtig schlecht!
Das kann im Wesentlichen zwei Hintergründe haben, die man als Aufstellungsleiter oder Begleiter herausfinden sollte. Wenn es jemanden nach einer Aufstellung schlechter geht kann es eine Zwischenstation auf dem Weg zur Heilung sein. Aber nur dann, wenn das ursprüngliche Thema in der Aufstellung gelöst ist und es sich um ein neues handelt. Hier muss man im Einzelfall schauen, was zu tun ist.
Wenn aber das ursprüngliche Thema im Seminar nicht wirklich gelöst wurde und ein zweites Thema aufgebrochen wurde ohne das erste zu lösen, dann sollte schnell gehandelt werden. Hier gilt es sofort zu schauen, was es braucht, damit der Betroffene wieder gut auf sich und das Leben schauen kann.

Oft sind die Eltern schuld, dass es uns schlecht geht. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Nichts geschieht nur aus sich selbst heraus. Alles steht zueinander in Beziehung. Unsere Eltern machen da keine Ausnahme. Sie können nur so leben wie sie leben. Sie können kein anderes Leben leben als das ihre, so wie wir auch. Es geht hier nicht um Schuld, sondern um Schicksal und „geführt werden“. Wenn wir Kinder uns für den Weg der Eltern interessieren würden, würden wir viele ihrer Handlungen besser verstehen. Letztendlich sind es die Teile in uns selbst, die wir bei den Eltern ablehnen, egal was es ist.
In den Aufstellungen versuche ich den Teilnehmern die Situation zu zeigen, warum die Eltern so sind, wie sie sind. Es geht auch nicht darum das Verhalten der Eltern gut zu heißen, sondern nur darum sie so zu nehmen wie sie waren, wie sie sind und wie sie sein werden. So können wir unser Leben von ihnen dankbar annehmen.

Man hört öfters, dass Leute von einer Aufstellung zur anderen laufen und richtig süchtig werden, ist da was dran?
Es mag sicher Menschen geben, die von den Gefühlen während einer Aufstellung begeistert sind. Es besteht dann manchmal die Gefahr dieses emotionale Sättigungsgefühl immer wieder zu suchen. Solange dabei niemand zu Schaden kommt ist das auch nicht weiter schlimm. Die Frage ist nur, wem hilft es?
Ich muss dazu aus eigener langjähriger Erfahrung sagen, dass mir ein so genannter Aufstellungssüchtiger noch nie begegnet ist. Es gibt zwar Teilnehmer, die sich auf die Repräsentantenliste setzen lassen, damit sie ab und zu in den „Genuss“ von Gefühlen kommen, aber von Sucht kann hier noch lange nicht die Rede sein.

Mit welchem praktischen Beispiel können Sie unseren Zuhörern die Wirkung der Aufstellungsarbeit näher bringen?
Ein sehr schönes Beispiel wie eine Dynamik über Generationen wirkt, ist für mich das Folgende:
Eine Dame Mitte Dreißig kam mit dem Anliegen zu meinem Aufstellungsseminar, sie hat bis heute noch keine längere Beziehung und auch keine Kinder. Eigentlich sehnt sie sich schon danach, aber immer, wenn es ernst wird, geht sie zu dem möglichen Partner auf Distanz oder sie sucht sich mit Sicherheit Männer aus, die schon wo anders gebunden sind.
Im Zuge der Aufstellung sahen wir, dass der Großvater, ein einflussreicher Bauer, nach dem frühen Tod seiner Frau, seine Kinder von seiner Schwägerin, der Schwester der Verstorbenen, aufziehen ließ. Die Familie der verstorbenen Großmutter war arm und so war es für den Bauern leicht die Schwägerin auch gegen ihren eigentlichen Willen dazu zu bewegen. Die Schwägerin verzichtete so auf eine eigene Familie und betreute selbstlos die Kinder ihrer Schwester. Nachdem die Kinder groß genug waren das Elternhaus zu verlassen, wurden die Dienste der Schwägerin nicht mehr gebraucht und sie wurde ohne besonderen Dank vom Hof gejagt. Dieses Schicksal und das Ausgrenzen der Großtante, löste bei der Klientin eine Dynamik aus, um auf das Schicksal der Tante aufmerksam zu machen. Sie machte es so wie ihre Großtante. Sie verzichtete, ohne zu wissen warum, auf eine eigene Familie. Erst durch das Achten dieses Schicksals wurde die Klientin im Herzen frei und offen für ihr eigenes Leben. Mittlerweile lebt sie schon lange in einer festen Beziehung, mit den Kindern des Mannes - für eigene Kinder war es leider schon zu spät.

Verfasst von Martin Fuhrberg im Jänner 2009
 
 
 
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